Von 21. bis 25. April 2026 begab sich eine 26-köpfige Reisegruppe der ARGE Meister auf eine abwechslungsreiche Fachreise nach Albanien. Ziel der Reise war es, landwirtschaftliche Betriebe kennenzulernen, Einblicke in Produktionsweisen zu gewinnen und gleichzeitig die kulturelle Vielfalt des Landes zu entdecken. Begleitet wurde die Gruppe vom deutschsprachigen Reiseleiter Sergej Alibali, der mit seinem umfangreichen Wissen viele interessante Zusammenhänge zwischen Geschichte, Landwirtschaft und Gesellschaft vermittelte.
Die erste Station führte zur Uka Farm, einer Bio-Restaurant- und Landwirtschaftsanlage nahe Tirana. Der rund zwei Hektar große Betrieb steht für nachhaltige Bewirtschaftung und Biodiversität. Rund 250 Pflanzenarten sowie zahlreiche Insekten finden hier einen Lebensraum. Auf chemische Pflanzenschutzmittel wird vollständig verzichtet, stattdessen setzt man auf organische Dünger und natürliche Kreisläufe. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung heimischer Pflanzenarten und autochthoner Rebsorten. Die wissenschaftliche Begleitung unterstützt den Betrieb dabei, ökologische Produktionsmethoden weiterzuentwickeln.
Am zweiten Tag stand die Landwirtschaft im Mittelpunkt. Besichtigt wurde der Milchviehbetrieb VJEN in Divjaka, einer der größten Betriebe dieser Region. Der Betrieb umfasst rund 1.500 Rinder, davon etwa 700 Milchkühe. Die Tiere werden in einem modernen Melkkarussell zweimal täglich gemolken und erreichen eine durchschnittliche Milchleistung von rund 32 Kilogramm pro Kuh und Tag. Für die Futterversorgung bewirtschaftet der Betrieb etwa 350 Hektar landwirtschaftliche Flächen, auf denen unter anderem Mais, Soja, Getreide und Silage erzeugt werden.
Beeindruckend war vor allem der Unterschied zu den kleinstrukturierten Familienbetrieben Albaniens: Während viele landwirtschaftliche Betriebe nur wenige Hektar bewirtschaften, zeigt der Betrieb VJEN, welches Entwicklungspotenzial größere Strukturen bieten können. Moderne Stalltechnik und Investitionen in Tierwohlmaßnahmen wurden teilweise durch EU-Förderungen ermöglicht.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Gemüsebau in der fruchtbaren Region rund um Divjaka. Beim Besuch des Sammelplatzes Gazmir Kavaja erhielt die Reisegruppe Einblicke in die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Tausende Kleinbetriebe liefern dort Gemüse wie Tomaten, Gurken, Zucchini und Melonen an. Die Produkte werden sortiert, verpackt und anschließend unter anderem nach Deutschland, Polen, Kroatien und Schweden exportiert. Besonders beeindruckend war der hohe Anteil an geschütztem Anbau in Folienhäusern und Gewächshäusern, der durch das mediterrane Klima mehrere Ernten pro Jahr ermöglicht.
Neben der Landwirtschaft durfte auch die Landschaft nicht zu kurz kommen. Im Divjaka-Nationalpark beeindruckten die Lagunenlandschaft, die alten Pinienbestände und die vielfältige Tierwelt. Mit etwas Glück konnte sogar ein Pelikan beobachtet werden. Weiter ging die Reise nach Berat, der UNESCO-Weltkulturerbestadt, die wegen ihrer historischen Häuser mit zahlreichen Fenstern auch als „Stadt der 1000 Fenster“ bekannt ist.
Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch der Çobo Winery, eines Vorzeigebetriebs des albanischen Weinbaus. Aus einem kleinen Familienbetrieb entwickelte sich ein modernes Weingut mit rund 40 Hektar Rebfläche. Der Betrieb setzt bewusst auf Qualität statt hohe Mengen und produziert verschiedene Weiß-, Rot- und Roséweine sowie weitere Spezialitäten. Bei einer Verkostung konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Qualität albanischer Weine überzeugen.
Ein weiterer Höhepunkt der Reise war der Besuch von Ohrid in Nordmazedonien. Die historische Stadt am gleichnamigen See beeindruckte mit ihren Kirchen, Klöstern und der einzigartigen Landschaft. Besonders die Kirche Hl. Johannes von Kaneo, die malerisch über dem See liegt, bot ein eindrucksvolles Fotomotiv. Die Bootsfahrt auf dem Ohridsee rundete diesen kulturellen Ausflug ab.
Auf der Weiterreise konnten viele typische Eindrücke des Landes gesammelt werden: kleine landwirtschaftliche Flächen, traditionelle Tierhaltung mit Schafen und Ziegen sowie Olivenhaine, die seit Jahrhunderten einen wichtigen Bestandteil der albanischen Kultur darstellen. Gleichzeitig wurden auch Herausforderungen sichtbar, etwa die teilweise schwache Infrastruktur, Bauschuttprobleme und die Auswirkungen der Abwanderung vieler junger Menschen.
Am nächsten Tag führte die Reise weiter nach Durrës und anschließend erneut in die Region Divjaka. Beim Betrieb Bitimo erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Produktion veredelter Melonenjungpflanzen. Rund 500.000 Jungpflanzen werden jährlich produziert und an Gemüsebaubetriebe vermarktet. Besonders interessant war die Technik der Veredelung, bei der Melonenpflanzen auf widerstandsfähige Zucchini-Unterlagen gepfropft werden.
Den Abschluss bildete der Besuch der historischen Stadt Kruja, der Heimat des albanischen Nationalhelden Skanderbeg. Der traditionelle Basar mit Handarbeiten, regionalen Produkten und Spezialitäten vermittelte einen authentischen Eindruck der albanischen Kultur. Ein gemeinsames Abendessen mit Folkloremusik und traditionellen Tänzen wurde zu einem besonderen Erlebnis.
Am letzten Reisetag stand die Hauptstadt Tirana auf dem Programm. Die Stadt zeigt eindrucksvoll den Wandel Albaniens von der kommunistischen Vergangenheit hin zu einer modernen europäischen Metropole. Sehenswürdigkeiten wie der Skanderbeg-Platz, die Et’hem-Bey-Moschee, die Pyramide von Tirana und die ehemaligen Bunkeranlagen erinnern an die bewegte Geschichte des Landes.
Nach fünf intensiven Tagen voller fachlicher Erkenntnisse, kultureller Eindrücke und persönlicher Begegnungen verabschiedete sich die Reisegruppe von Albanien. Ein besonderer Dank gilt Reiseleiter Sergej Alibali, der mit großer Leidenschaft, Fachwissen und Herzlichkeit sein Heimatland näherbrachte und wesentlich zum Gelingen dieser eindrucksvollen Fachreise beitrug.
Die Reise zeigte eindrucksvoll: Albanien ist ein Land im Wandel – geprägt von einer traditionsreichen Landwirtschaft, beeindruckender Natur, herzlicher Gastfreundschaft und großen Entwicklungsmöglichkeiten.
Manuel Bauer, WBM, LWM
Reisebegleitung der ARGE Meister